Antiallergische Matratze –Realität oder Mythos?

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Antiallergische Matratze –Realität oder Mythos?

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Gibt es überhaupt antiallergische Matratzen?

Der Titel mag provokant klingen, denn Du hast sicher schon viele Matratzen gesehen, die als antiallergen bezeichnet wurden.

Gibt es nun solche Matratzen, oder nicht?

Ich habe mich ein bisschen über dieses Thema schlau gemacht, lies weiter, und erfahre die Wahrheit.

Inhalt – Die Titel sind klickbar!

Allergien sind Volkskrankheiten

 Ich leide schon seit meiner Kindheit an Asthma (ich bin gegen nahezu alles allergisch, beim Prick-Test wurde mein ganzer Arm rot, wie ein Feuerwehrauto), so musste ich immer besonders darauf achten, auf was für einer Matratze ich schlafe, und welche Bettwäsche ich benutze.

Allergien sind leider mittlerweile Volkskrankheit, sowohl in Österreich (laut Statistik zeigen mindestens 3 Millionen Menschen allergische Symptome), als auch weltweit (die Zahl von 400Millionen ist keineswegs übertrieben!) Allergie ist eigentlich eine Überreaktion des Immunsystems auf verschiedene Allergene. Es gibt zahlreiche Arten von Allergien.

Staubmilben

Allergische Reaktion selbst wird nicht durch Hausstaub ausgelöst./Quelle:  www.newscientist.com.

Hausstauballergie verursacht den Großteil der Beschwerden (mehr als die Hälfte), sie gehört mit Tierhaarallergie zu der Gruppe perenniales Asthma, das heißt, sie besteht das ganze Jahr über. Symptome sind Schnupfen und Atemnot, stark tränende und gerötete Augen, Jucken, fließende oder verstopfte Nase, Kratzen im Hals und Niesen (die Nasenschleimhaut und die Augenbindehaut sind entzündet), sowie ekzemartiger Ausschlag und rote Flecken auf der Haut. Der Name Hausstauballergie ist aber ungenau, die Reaktion selbst wird nicht durch Hausstaub ausgelöst. Eigentlich ist ein klitzekleines (etwa 0,3mm groß), spinnenartiges Wesen, die Milbe dafür verantwortlich. Das Problem ist nicht die Milbe (sie ist zwar ziemlich hässlich), sondern das spezielle Protein in ihrem Kot, das beim Einatmen, oder bei Hautkontakt die unangenehmen Beschwerden auslöst.

Hausstaubmilben bevorzugen warme, feuchte, dunkle Orte, 20-25 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 65-80% ist der Himmel auf Erden für sie, und sie ernähren sich von abgestorbenen Haut-, Haar- und Fingernägelpartikeln und Schuppen (daher der Name hautfressende Milbe). Beim Schlafen produziert der Körper Wärme, die verdunstet, so wird die Matratze in der Nacht auf über 20 Grad erwärmt, das bedeutet für die Milben ständige Nahrungsversorgung und ideales Klima.

Diese kleinen Parasiten können sich also zu Millionen in der Matratze, im Kissen oder im Bettzeug einnisten (sowie auch in Teppichen, Gardinen, Kuscheltieren, usw.), ihr Stoffwechsel ist sehr schnell, sie können täglich etwa zehnmal ins Bett machen, ihr eingetrockneter Kot fällt auseinander und fliegt in der Luft frei herum, dabei verursacht er allergische Reaktionen. Die Wollmäuse, die sich von Zeit zu Zeit im Zimmer ansammeln, sind für die Fortpflanzung der Milben nötig, sie bestehen aus der oberen Hautschicht, Haaren, Tierhaaren, Milben, Schimmelpilzen und Bakterien.

staub

Wenn Du also Allergiker oder Asthmatiker bist, ist die Auswahl einer antiallergischen Matratze für dich lebenswichtig, um Deine Beschwerden zu lindern. Hier soll erwähnt werden, dass der Kampf gegen Wollmäuse Sisyphusarbeit ist, es  ist fast unmöglich, sie völlig zu bekämpfen, aber mit Veränderung der Lebensweise kann man relativ viel dafür tun, die Beschwerden loszuwerden.

Die Frage steht jedoch immer noch im Raum, ob man in den Fachgeschäften antiallergische Matratzen bekommt?

Woraus werden antiallergische Matratzen hergestellt?

Marketing in der Matratzenbranche ist besonders hoch entwickelt (Ironie on), dazu gehören auch milbenfreie oder antiallergische Matratzen. Aber ich will mal nicht ungerecht sein, es gibt tatsächlich Materialien für Matratzen, in denen sich Milben eher einnisten, als in andere. Aber auch die für Milben ungünstigeren Stoffe garantieren keinen 100%-gen Schutz.

Taschenfeder

Fangen wir gleich mit dem schlimmsten an. Das Gestell von Matratzen mit Bonellfederung besteht aus großen, spiralförmigen, miteinander verknüpften Stahlfedern. Das Innere einer solchen Matratze ist also ein Hohlraum, und in der Nacht wird er sogar noch erwärmt. Der Bonellfederkern ist also eine dunkle, warme, feuchte Brutstätte für Staubmilben (es gibt kaum bessere Orte für sie).

Matratzen mit Taschenfederkern sind schon etwas besser, aber die kleinen Beutel – in denen sich die kleinen Federungen befinden – stellen kein echtes Hindernis für die Milben dar.

Nahezu jedes Matratzenmaterial ist besser gegen Milben, als die Federung. Schaummatratzen und Biomatratzen sind praktischer, es dauert länger, bis sie zu einem Grab für Milben werden.

Kaltschaum

Je dichter das Schaummaterial ist, umso schwerer können sich Milben darin einnisten, sie haben es also in einer Kaltschaummatratze von höherer Dichte (35-45 kg/m3) schwerer, als in einer normalen Schaumstoffmatratze (25-30kg/m3). Eine Memoryschaummatratze mit ihrer Dichte von 50-95 kg/m3 ist schon ein echtes Hindernis für die Milben (obwohl die starke Erwärmung wiederum günstig für sie ist.) Modernere Schaumstoffe sind schon luftdurchlässiger, im Inneren befinden sich zahlreiche, mikroskopisch kleine, hauchdünne Kanäle, die Feuchtigkeit ableiten, so wird es nicht stickig, bzw. werden heutzutage auch schon spezielle antiallergische Schaumstoffe entwickelt (diese werden mit Ultrafresh-Material behandelt, ob ihre Wirksamkeit schon nachgewiesen wurde, ist mir aber nicht bekannt).

Hersteller von Biomatratzen schwören auf Kokosfasern und Latex, die Milben auf natürliche Weise abwehren. Es ist sicher, dass dichtes Latex mit hohem Eigengewicht besonders luftdurchlässig ist und Milben effektiver fernhält.

wollbezug

Heutzutage werden ernstzunehmende Matratzen mit Bezügen aus Stoffen versehen, die das Einnisten der Milben einigermaßen verhindern, indem sie ungünstigeres, kühleres Klima erschaffen. Solche Stoffe sind zum Beispiel Baumwolle, oder Bambusfaser mit viermal größerer Saugfähigkeit und desinfizierender Wirkung, oder auch antibakterielle Seide, die gegen Schimmelpilze wirkt, oder wärmeregulierende Wolle. Über Wolle haben Forschungen in Ungarn nachgewiesen, dass sich Milben darin nicht einnisten (Dr. Vahid Yousefi-Kóbori Judit: Züchtung und Auswahl von Merinoschafen. Szaktudás Kiadó Ház Verlag, Budapest, 2002. Seite 20.).

Demnach sind auch die Materialien nicht wesentlich besser, die von den Herstellern als antiallergen angepriesen werden. Milben können nämlich in nahezu alles hineinkrabbeln. Der Meinung von Paul V. Williams, Kinderarzt (University of Washington School of Medicine) und Allergologe (Northwest Allergy and Asthma Center in Washington State) nach gibt es überhaupt keine wissenschaftlichen Beweise für die wohlklingenden Sprüche der Matratzenhersteller und Händler über hypoallergene Matratzen, Milben überleben nämlich  überall, wo sie Nahrung finden.

Es gibt also keine antiallergische Matratze, aber jede Art von Matratze kann antiallergen gemacht werden!

Die todsichere Lösung gegen Staubmilben, oder wie wird eine antiallergische Matratze hergestellt?

Es gibt eine sichere Lösung gegen die Verbreitung von Milben: Prävention.

Man muss einfach nur vorsorgen, dass die Milben gar nicht erst in die Matratze kommen. Diese nervigen kleinen Tierchen sterben bei Temperaturen über 60 Grad ab.

Man muss einfach nur einen Matratzenschoner benutzen, den man bei hoher Temperatur (90-95°) auskochen kann. Milben krabbeln da natürlich auch rein, aber wenn man den Bezug regelmäßig wäscht (mindestens jede Woche), werden die Milben entfernt, noch bevor sie in die Matratze gelangen können. Man sollte darauf achten, dass der Matratzenschoner dick genug ist (die Milben können dann langsamer durch, bzw. er sollte stark saugfähig sein), und er sollte aus einem Stoff sein, der dem häufigen Waschen widersteht.

matratzenschoner

Am besten eignen sich mehrschichtige, Steppdecken ähnliche, luftdurchlässige Matratzenschoner aus Mischfaser (Baumwolle-Kunstfaser). Diese schützen die Matratze auch vor Verletzungen und Schmutz und verlängern damit ihre Lebensdauer.

Ein abziehbarer, waschbarer Matratzenbezug kann auch praktisch sein, aber er kann den Matratzenschoner nicht ersetzen, weil er nicht dafür gemacht ist, ihn jede Woche einfach mal abzunehmen und bei 90°zu waschen. Natürlich können sie manchmal gewaschen werden, aber bei einem Doppelbett sind sie zu groß und passen nicht in die Waschmaschine, sie müssen in die Reinigung gebracht werden. (Ein paar Vorschläge, wie deine Matratze gereinigt werden soll.)

Heutzutage sind auch schon in der Kochwäsche waschbare Kissenbezüge erhältlich, es lohnt sich, so einen anzuschaffen, bei einem zwei Jahre alten Kissen soll 10% des Gewichts Milben und Milbenkot sein! Unsere Matratze ist nach einigen Jahren abgenutzt, sie wird nicht nur unbequem, sondern auch unhygienisch, Allergene häufen sich darin an. Falls Du an Allergie oder Asthma leidest, empfehle ich, die Matratze mindestens alle 7-8 Jahre zu wechseln.

Ich wünsche Dir gesunde, beschwerdefreie Tage!

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Quellen:

  • www.webmd.com/allergies/guide/dust-mite-mattress-and-pillow-covers-for-allergy-relief
  • www.webmd.com/sleep-disorders/features/best-mattress-good-nights-sleep?page=2#2
  • www.allergyconsumerreview.com/hypoallergenic-bedding-myths.html#sthash.CNxMstFf.dpbs

 

By | 2017-06-30T09:02:56+00:00 Juni 12th, 2017|Schlaf|0 Comments

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